Néele – traurige Geschichte mit Happy End

Letzte Woche erhielt ich über ehemalige Welpeninteressenten die Info, dass eine Hündin aus meiner Zucht zum stolzen Preis von 2500 Euro als Zuchthündin inseriert würde nachdem alle Welpen aus ihrem Wurf ebenfalls zu einem stolzen Preis verkauft waren.

„Kann gar nicht sein!“ war mein erster Gedanke, aber dann habe ich mich doch ans Telefon gehängt, herumgefragt und im Internet recherchiert, eine schlaflose Nacht später war klar, daß es sich tatsächlich um eine Hündin aus unserem N-Wurf handelt.

Ich habe letztes Jahr für Néele auf meiner Homepage ein neues Zuhause gesucht, weil sie mit den Berner Sennenhündinnen im gleichen Haushalt nicht klar kam, hatte die Besitzerin gebeten, mir die Vermittlung zu überlassen, da ich vertraglich ja auch Vorkaufrecht habe. Es gab  drei nette Interessenten, die ich persönlich kenne. Die Besitzerin sagte auf meine ausdrückliche Nachfrage, es eilt nicht und es geht ihr nur um einen guten Platz. Leider scheiterte der erste Vermittlungsversuch, weil es der älteren Hündin plötzlich schlecht ging.
Als ich einen anderen Interessenten einladen wollte, hieß es, Néele sei inzwischen vermittelt an eine Bekannte aus der Nachbarschaft. Da war das Kind wohl schon in den Brunnen gefallen, ich habe die neue Besitzerin, eine Frau Bacher noch per Mail in Sachen Futter und Kämmen beraten, im Glauben, Neele sei ein reiner Familienhund. Sie hat zurückgemailt und Fotos geschickt, Néele habe sich gut eingelebt.
Ich hätte so nette Leute gehabt für die Kleine und habe mich damals schon maßlos über das vorschnelle Handeln meiner Welpenerwerberin und im nachhinein noch mehr über meine Gutgläubigkeit geärgert. Dachte aber, Néele geht es gut.

Mittlerweile war das Inserat und die ganze Geschichte in Facebook in der netten Briardgruppe gepostet. Die  Empörung und noch mehr die Solidarität  waren  riesig, aber guter Rat teuer.

Wir waren fix und fertig, haben nicht mehr geschlafen vor Sorge, daß  eine Hündin aus unserer Zucht als Goldesel weiterverkauft wird und sie dann alle neun Monate  Welpen haben muss. Da die  sog.“ Züchterin“ mir auf meine Nachfrage nicht geantwortet hat, haben wir uns  entschlossen, Néele  über einen Strohmann freizukaufen. Definitiv viel zu viel Geld,- überhaupt keine Frage – aber wir hatten keine Nerven für eine längere Pokerpartie. Die Familie, die den letzten Welpen gekauft hat, hat sich ohne Wenn und Aber bereit erklärt, auch die Mutterhündin für uns dort herauszukaufen. So haben wir zähneknirschend und mit der Faust in der Tasche 2000 Euro bezahlt für eine Hündin aus eigener Zucht, eine Summe, die wir auch nicht mal eben aus der Portokasse aufbringen können- , jeder einzelne Cent hat uns gereut,  aber was wäre die Alternative gewesen? Nur Vermehrer, die sich ihre Investition schnell wieder reingeholt hätten, würden diesen absolut unüblichen Preis bezahlen.

Aber wie heißt es so schön in der Broschüre der meisten Züchter: wir sind lebenslang für unsere Nachzucht da. Schlimm war das Gefühl, das Geschäftsmodell  von sogenannten „Züchtern“ wie Frau Bacher auch noch unterstützt zu haben, das war  auch durch unser Zutun ja ein voller Erfolg! Aber ich hätte nicht mehr in den Spiegel schauen können, wenn die Maus beim nächsten  Vermehrer gelandet wäre. Eine rechtliche Handhabe hätten wir leider nicht gehabt, sie selbst da rauszuholen. Leider sind Hunde eine Ware, genau wie Waschmaschinen.

Wir mussten ganz schnell handeln und unsere  erfolgreiche Nacht- und Nebelaktion hat in der netten Briardgruppe  auf Facebook eine beispiellose Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft ausgelöst, das war  wirklich überwältigend. Wir hatten den hohen Kaufpreis und die Folgekosten für uns schon als bitteres Lehrgeld abgeschrieben. Zu unserer Überraschung wurde in der Briardgruppe eine Spendenaktion  gestartet, in kürzester Zeit sind fast 1300 Euro zusammengekommen. Mithilfe der vielen Spenden ist aus einem größeren finanziellen Opfer für uns eine überschaubare Summe  geworden. Was vor allem bleibt, ist ein Gefühl der Dankbarkeit für den Zusammenhalt unter Briardfreunden und dass wir als Züchter nicht alleine stehen gelassen werden, wenn etwas so aus dem Ruder läuft wie in diesem Fall. Damit hätten wir nie gerechnet!

Bei der ganzen traurigen Geschichte geht es gar nicht so sehr um VDH- oder Nicht-VDH Züchter-  die kann man nicht unbedingt über einen Kamm scheren, es gibt überall solche und solche,- es geht da einerseits um  Geldgier  und Ausbeutung und andererseits um Verantwortungsbewusstsein und  die Liebe zum Briard,- ganz einfach!

Das Happy End: Néele darf bleiben!

beim Hundefriseur

Da Néele sehr verfilzt war, stand der Besuch beim Hundefriseur (dringend nötig!) und ein Tierarztcheck (alles ok) an. Bei meinem Besuch in Nürnberg empfing mich eine etwas dünne und gerupfte, aber fröhliche Hundemama, die liebevoll mit dem kleinen Lui spielte, sich ansonsten  wie Zuhause fühlte, Ingrid und Günter nicht aus den Augen ließ und ihnen auf Tritt und Schritt folgte.

Die beiden haben sich entschieden, Néele zu behalten und den süßen Lui abzugeben. Zwei Hunden mit so unterschiedlichen Ansprüchen  können sie nicht gerecht werden, –  Hut ab: das ist wohl eine realistische Einschätzung, aber ganz bestimmt keine leichte Entscheidung! Eigentlich haben die beiden schon genug getan, aber ich glaube, ihr Entschluss kommt wirklich von Herzen.

eine fröhliche Néele

Néele hat so schnell Vertrauen zu ihnen aufgebaut, sie hat einiges nachzuholen, wirkte aber auf dem gemeinsamen Spaziergang  ziemlich entspannt, solange sie ihre neue Familie in der Nähe wusste.

im neuen Zuhause

Ein passendes Zuhause für Lui zu finden dürfte nicht allzu schwierig werden,hoffe ich,  aber für Néele freue ich mich so, daß sie jetzt nicht noch einmal umziehen muss.

Ingrid und Günter

Für uns und alle Beteiligten, allen voran Ingrid und Günter, war es eine Achterbahnfahrt der Gefühle, so etwas möchte ich nicht noch einmal durchleben, aber geblieben ist das schöne Gefühl, dass es doch so viele hilfsbereite und tolle Menschen gibt, die nicht wegschauen und sich engagieren. Danke!

 

 

 

 

 

 

 

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